Automatische Mähroboter sind in vielen Gärten beliebte Helfer geworden – sie übernehmen das regelmäßige Rasenmähen ganz selbständig. Doch diese Geräte stellen für nachtaktive Kleinsäuger wie den Igel eine ernsthafte Gefahr dar, wie aktuelle Daten aus Deutschland zeigen. (ScienceDaily)
Zahlen und Tatsachen
Zwischen Juni 2022 und September 2023 wurden mindestens 370 Fälle dokumentiert, in denen Igel durch elektrische Gartengeräte – darunter viele Mähroboter – verletzt wurden. In fast der Hälfte der Fälle (47 %) überlebten die Tiere die Verletzungen nicht und starben oder mussten eingeschläfert werden. (ScienceDaily)
Diese Statistik basiert auf Auswertungen von Meldungen an Wildtier‑ und Igelrettungszentren sowie Daten des Leibniz‑Instituts für Zoo‑ und Wildtierforschung. Menschen melden oft nur einen Teil der Vorfälle – die tatsächliche Zahl könnte deutlich höher liegen, da verletzte Igel häufig in Dickichten verschwinden und unentdeckt bleiben. (ScienceDaily)
Warum sind Igel gefährdet?
- Nachtaktivität: Igel sind überwiegend nachts unterwegs – dieselbe Zeit, in der Mähroboter häufig laufen, weil sie leise und automatisiert arbeiten. (Deutsche Welle)
- Schutzverhalten: Bei Gefahr rollen sich Igel zusammen statt zu fliehen – ein effektiver Schutz gegen Fressfeinde, aber nicht gegen scharfe Messer von Mährobotern. (Deutsche Wildtier Stiftung)
- Klein und schwer erkennbar: Viele Modelle können kleine Tiere nicht sicher erkennen, sondern erkennen Hindernisse erst durch physischen Kontakt, was zu Verletzungen führt. (PubMed)
Trend & Bedeutung
Die Zahl der Mähroboter in deutschen Gärten steigt seit Jahren, da sie bei Gartenbesitzern immer beliebter werden. Gleichzeitig nimmt der Bestand der Europäischen Igel (Erinaceus europaeus) seit Jahren ab, unter anderem durch Lebensraumverlust, Verkehr, Pestizide, aber auch durch Unfälle mit Gartenmaschinen wie automatischen Mährobotern. (Deutsche Welle)
Naturschutzverbände wie NABU und die Deutsche Wildtier Stiftung warnen daher vor den Gefahren: Sie berichten regional von steigenden Zahlen verletzter Igel in Auffangstationen und fordern Schutzmaßnahmen speziell für nachtaktive Tiere. (DIE WELT)
Regulatorische und technische Antworten
Die Forschung geht bereits über die reine Problemanalyse hinaus:
Eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe hat Standardtests für die Tiererkennung bei Mährobotern entwickelt, um Geräte sicherer für Igel und andere Kleintiere zu machen. Ziel ist es, Mähroboter mit besseren Sensoren oder Schutzfunktionen zu entwerfen, die Tiere erkennen und automatisch stoppen können. (ScienceDaily)
Einige Gemeinden in Deutschland haben bereits nächtliche Fahrverbote für Mähroboter eingeführt, um Kollisionen mit nachtaktiven Tieren wie Igeln zu reduzieren. Andere Kommunen prüfen ähnliche Regelungen. (DIE WELT)
Was Gartenbesitzer tun können
Um das Risiko für Igel zu verringern, empfehlen Experten und Tierschützer unter anderem:
- Mähroboter nur tagsüber einsetzen, wenn Igel meist weniger aktiv sind. (Tierärztekammer Hamburg)
- Garten naturnah gestalten mit Laub‑ und Reisighaufen als Unterschlupf, statt monotone Rasenflächen. (DIE WELT)
- Vor dem Mähen den Garten absuchen, vor allem im Frühling und Herbst, wenn Igel unterwegs sind oder Quartiere suchen. (Deutsche Welle)
Fazit
Die bisherigen Statistiken zeigen, dass Mähroboter eine nicht zu vernachlässigende Gefährdung für Igel darstellen, insbesondere in Deutschland, wo schon Hunderte verletzte Tiere dokumentiert wurden und viele weitere vermutlich unentdeckt leiden. Mit wachsender Verbreitung dieser Geräte wächst auch der Handlungsbedarf – auf der Seite der Hersteller (sichere Detektionstechniken), der Politik (regulatorische Maßnahmen) sowie der Gartenbesitzer (verantwortliche Nutzung). (ScienceDaily)