Pflanzenschutzmittel (auch Pestizide) werden weltweit und in Deutschland eingesetzt, um Pflanzen vor Schädlingen, Unkräutern und Krankheiten zu schützen. Sie sind ein zentraler Bestandteil der modernen Landwirtschaft, stehen aber auch im Fokus von Umwelt‑, Gesundheits‑ und Nachhaltigkeitsdebatten.
1. Überblick – Mengen und Entwicklung
Europa
In der EU wurden 2023 insgesamt rund 292.000 t Pflanzenschutzmittel verkauft – der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebungen 2011. Das entspricht einem Rückgang von rund 9 % gegenüber 2022 und einem Minus von etwa 18 % gegenüber 2021. (European Commission)
Hauptgruppen der in der EU verkauften Pflanzenschutzmittel 2023 waren:
- Fungizide und Bakterizide (39 %),
- Herbizide und Moosvernichter (36 %),
- Insektizide und Akarizide (17 %). (European Commission)
Diese Zahlen zeigen, dass der Absatz in der EU – insgesamt – rückläufig ist, auch wenn der tatsächliche Einsatz in der Landwirtschaft teilweise anders bewertet wird (siehe weiter unten).
2. Deutschland – Absatz und Einsatz
Absatz (2023)
In Deutschland wurden 2023 etwa 75.800 t Pflanzenschutzmittel (ohne inerte Gase) erstmals in den Verkehr gebracht – ein Rückgang von rund **19 % gegenüber dem Vorjahr und gesunken auf ein 50‑Jahres‑Tief. (Raiffeisen)
Zusätzlich kamen rund 15.300 t inertere Gase für Vorratsschutz hinzu. (Raiffeisen)
Der Absatz von Glyphosat, dem umstrittenen Herbizid, ging 2023 auf etwa 2.349 t zurück (etwa 40 % weniger als zuvor). (t3n Magazin)
Diese Entwicklung zeigt eine deutliche Abnahme des PSM‑Absatzes in Deutschland, insbesondere im Vergleich zu früheren Jahrzehnten und jüngeren Jahren.
Verbrauch pro Fläche
In Deutschland wurde 2022 – laut Branchen‑Analysen – eine durchschnittliche Menge von mehreren Kilogramm Wirkstoff pro Hektar landwirtschaftlicher Fläche eingesetzt:
- Insektizide: ca. 2,4 kg/ha
- Fungizide: ca. 2,2 kg/ha
- Herbizide: ca. 1,8 kg/ha
Diese Werte geben ein Gefühl für den tatsächlichen Einsatz und spiegeln agrarwirtschaftliche Herausforderungen wider (z. B. durch Schädlinge oder Krankheiten). (Research and Markets)
Diese Daten zeigen, dass trotz sinkender Verkaufszahlen der tatsächliche Einsatz auf dem Feld je nach Witterung und Schaderregerdruck stark variieren kann.
3. Vergleich – EU und Deutschland
Deutschland gehört zu den größten Absatzländern für Pflanzenschutzmittel in der EU und teilt sich mit Frankreich, Spanien und Italien etwa zwei Drittel des gesamten Absatzes innerhalb der EU. (Umweltbundesamt)
In Bezug auf die Menge pro landwirtschaftlicher Fläche liegt Deutschland im europäischen Vergleich im obereren Mittelfeld – etwa auf Platz 6 hinter Malta, Zypern, den Niederlanden, Belgien und Italien. (Umweltbundesamt)
4. Weitere relevante Fakten
Zulassungen und Wirkstoffe
- In Deutschland sind aktuell rund 650 Pflanzenschutzmittel zugelassen, die verschiedene Wirkstoffe enthalten. (Bundesinstitut für Risikobewertung)
- Die Zulassung dieser Stoffe wird in der EU regelmäßig überprüft, teilweise zeitlich befristet, teils entfällt sie – etwa bei umstrittenen Wirkstoffen wie Glyphosat. (DIE WELT)
Datenerfassung
Der Absatz von Pflanzenschutzmitteln wird gut dokumentiert, jedoch ist die systematische Erfassung des tatsächlichen Einsatzes auf den Feldern (Flächen‑ und Mengen‑Verwendung) bisher nicht flächendeckend verfügbar. Hier gibt es politische Initiativen, um Daten ab 2028 besser zu erfassen. (Umweltbundesamt)
5. Bedeutung und Debatte
Pflanzenschutzmittel sind zentral für die Nahrungsmittelproduktion – sie helfen, Ernteverluste zu reduzieren und hohe Erträge zu sichern. Gleichzeitig stehen sie im Fokus von Umwelt‑ und Gesundheitsschutz‑Debatten, weil sie Auswirkungen auf Biodiversität, Böden, Wasserqualität und Nicht‑Zielorganismen wie Insekten haben können.
Die EU plante, den Einsatz bis 2030 deutlich zu reduzieren, dieser Vorschlag wurde aber kontrovers diskutiert, da die Berechnung des Rückgangs auf Verkaufszahlen allein kritisiert wird. (Umweltbundesamt)
Kurzüberblick – Kernaussagen
- Europäischer Absatz 2023: ca. 292.000 t Pflanzenschutzmittel verkauft – niedrigster Wert seit 2011. (European Commission)
- Deutschland 2023: ca. 75.800 t PSM verkauft, Abwärtstrend. (Raiffeisen)
- Hauptgruppen: Herbizide, Fungizide und Insektizide dominieren den Absatz. (Umweltbundesamt)
- Einsatz pro Hektar: erhebliche Variation je nach Kultur und Bedingungen, typisch mehrere kg Wirkstoff je Hektar landwirtschaftlicher Fläche. (Research and Markets)
- Deutschland gehört zu den Top‑Pestizidabsatzländern in der EU. (Umweltbundesamt)
Fazit
Die Statistik zeigt, dass der Absatz und Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Europa und Deutschland rückläufig sind, aber weiterhin in bedeutenden Mengen stattfinden. Während der Verkauf vieler Wirkstoffe sinkt, bleibt die Diskussion über die Auswirkungen auf Umwelt, Gesundheit und nachhaltige Landwirtschaft zentral – und die Datenerfassung zu tatsächlichen Einsatzmengen wird weiter verbessert.