Torfverbrauch im Gartenbau: CO₂-Bilanz & Statistiken zur Moor-Zerstörung 2026

Torfverbrauch im Gartenbau CO₂-Bilanz & Statistiken zur Moor-Zerstörung 2026

Torf galt lange als nahezu perfektes Ausgangsmaterial für Blumenerden und Kultursubstrate: leicht, strukturstabil, saugfähig und vergleichsweise einfach zu verarbeiten. Doch ökologisch hat der Rohstoff einen entscheidenden Nachteil: Torf entsteht in Mooren über Jahrhunderte und Jahrtausende und speichert große Mengen Kohlenstoff.

Wird ein Moor entwässert und Torf abgebaut, wird dieser Kohlenstoff dem Sauerstoff ausgesetzt. Ein Teil davon gelangt schließlich als CO₂ in die Atmosphäre.

2026 steht der Gartenbau deshalb an einem wichtigen Wendepunkt. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Torfeinsatz im Freizeitgartenbau bis 2026 vollständig und im Erwerbsgartenbau bis 2030 weitgehend zu reduzieren. Gleichzeitig zeigen die neuesten verfügbaren Statistiken: Der Torfanteil in deutschen Blumenerden ist bereits deutlich zurückgegangen – verschwunden ist Torf aus dem Gartenbau aber noch lange nicht. (BMEL)

Die wichtigsten Torf-Zahlen 2026

Ein Blick auf die aktuellen Daten macht die Größenordnung deutlich:

Kennzahl Aktueller Wert
Moorböden in Deutschland rund 1,8 Mio. ha
Anteil an der deutschen Landfläche ca. 5 %
Anteil entwässerter Moorböden über 90 %
Treibhausgasemissionen aus Moorböden 2024 ca. 52,2 Mio. t CO₂-Äq.
Anteil an den deutschen THG-Emissionen 2024 ca. 8 %
Torf in Blumenerden 2024 ca. 1,4 Mio. m³
Rückgang gegenüber 2023 18,4 %
Torf in gewerblichen Kultursubstraten 2024 ca. 1,4 Mio. m³
Rückgang gegenüber 2023 5,4 %
Ziel Freizeitgartenbau weitgehender Verzicht bis 2026
Ziel Erwerbsgartenbau weitgehender Ersatz bis 2030

Die Emissionsdaten stammen aus dem deutschen Treibhausgasinventar; die Torfverbrauchsdaten für Blumenerden und Kultursubstrate stammen aus der amtlichen Statistik. (Statistisches Bundesamt)

Wie viel Torf wird im deutschen Gartenbau verwendet?

Die neuesten detaillierten Destatis-Daten beziehen sich auf das Jahr 2024.

Demnach wurden in Deutschland rund 4,6 Millionen Kubikmeter Blumenerde für Hobbygärten abgesetzt. 77 Prozent dieser Produkte waren torfhaltig. Der durchschnittliche Torfanteil dieser torfhaltigen Blumenerden sank jedoch deutlich von 47 Prozent im Jahr 2023 auf 38 Prozent im Jahr 2024.

Unterm Strich wurden damit etwa 1,4 Millionen Kubikmeter Torf in Blumenerden für Hobbygärtner eingesetzt. Gegenüber 2023 entspricht das einem Rückgang von 18,4 Prozent. (Statistisches Bundesamt)

Das ist eine bemerkenswerte Veränderung innerhalb nur eines Jahres.

Auch im Erwerbsgartenbau sinkt der Torfanteil

Bei den gewerblich eingesetzten Kultursubstraten ist die Entwicklung etwas langsamer.

2024 wurden insgesamt rund 2,6 Millionen Kubikmeter Kultursubstrate in Deutschland in Verkehr gebracht. Davon waren 84 Prozent torfhaltig.

Der durchschnittliche Torfanteil der torfhaltigen Produkte sank allerdings von 72 Prozent auf 63 Prozent.

Damit enthielten die 2024 abgesetzten Kultursubstrate insgesamt ungefähr 1,4 Millionen Kubikmeter Torf. Das waren 5,4 Prozent weniger als im Vorjahr. (Statistisches Bundesamt)

Der Unterschied zum Hobbygartenbau ist interessant: Während dort der Torfanteil relativ schnell zurückgeht, ist Torf im professionellen Gartenbau aufgrund bestimmter Anforderungen an Kulturführung und Substratqualität noch stärker verankert.

Torfverbrauch: Rückgang trotz weiterhin hoher Nachfrage

Die Entwicklung lässt sich vereinfacht so darstellen:

Hobbygartenbau:

2023: etwa 1,7 Mio. m³ Torf
2024: etwa 1,4 Mio. m³ Torf

Das entspricht einem Minus von rund:

300.000 m³ beziehungsweise 18,4 Prozent.

Gewerblicher Gartenbau:

2023: etwa 1,5 Mio. m³
2024: etwa 1,4 Mio. m³

Hier beträgt der Rückgang:

rund 100.000 m³ beziehungsweise 5,4 Prozent. (Statistisches Bundesamt)

Damit wurden allein in diesen beiden Produktgruppen 2024 etwa 2,8 Millionen Kubikmeter Torf eingesetzt.

Warum ist Torf klimaschädlich?

Ein Moor ist vereinfacht gesagt ein langfristiger Kohlenstoffspeicher.

Pflanzen wachsen, sterben ab und werden unter wassergesättigten Bedingungen nur unvollständig zersetzt. Über sehr lange Zeiträume entsteht daraus Torf.

Solange das Moor nass bleibt, wird der gespeicherte Kohlenstoff weitgehend im Boden gehalten.

Wird das Moor dagegen entwässert, gelangt Sauerstoff in die Torfschichten. Die organische Substanz wird stärker abgebaut und Kohlenstoff wird als CO₂ freigesetzt.

Das Bundesumweltministerium bezeichnet entwässerte Moorböden deshalb als besonders relevante Treibhausgasquelle. (BMU)

1,8 Millionen Hektar Moorböden in Deutschland

Deutschland besitzt nach aktuellen Angaben rund 1,8 Millionen Hektar Moorböden.

Das entspricht ungefähr 5 Prozent der gesamten deutschen Landfläche.

Das Problem: Mehr als 90 Prozent dieser Moorböden sind heute entwässert. (BMU)

Damit ist der Anteil intakter Moore vergleichsweise klein.

Die Moorflächen werden unter anderem als:

  • Grünland
  • Ackerland
  • Wald
  • Abbauflächen
  • Siedlungs- und Infrastrukturflächen

genutzt.

Die Entwässerung hat erhebliche Konsequenzen für die Klimabilanz.

Über 52 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr

Nach Angaben des Umweltbundesamtes wurden im Jahr 2024 rund 52,2 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente aus Moorböden freigesetzt.

Das entspricht ungefähr 8 Prozent der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen. (Umweltbundesamt)

Eine andere aktuelle Darstellung des Bundesumweltministeriums nennt rund 53 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente und einen Anteil von etwa 7,5 Prozent an den deutschen Gesamtemissionen. Unterschiede ergeben sich unter anderem aus Berechnungsstand und Bezugsjahr. (BMU)

Die Größenordnung bleibt jedoch eindeutig:

Moorböden gehören zu den bedeutenden Quellen von Treibhausgasemissionen in Deutschland.

Gartenbau ist nicht der größte Moor-Emittent

Hier ist eine wichtige Differenzierung notwendig.

Wenn über Torfverbrauch gesprochen wird, entsteht leicht der Eindruck, dass Blumenerden für den größten Teil der deutschen Moor-Emissionen verantwortlich sind.

Das ist nicht der Fall.

Der überwiegende Teil der Emissionen stammt aus entwässerten Moorböden, die land- und forstwirtschaftlich genutzt werden.

2024 entfielen laut Umweltbundesamt rund 43 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente beziehungsweise 82,4 Prozent der Moorbodenemissionen auf landwirtschaftlich genutzte Moorböden. (Umweltbundesamt)

Torfabbau und die Nutzung von Torf im Gartenbau sind also nur ein Teil des Problems.

Sie sind dennoch relevant, weil bei der Torfgewinnung zusätzlicher Kohlenstoff aus einem langfristigen Speicher entnommen und in die Atmosphäre gebracht wird.

Wie viel CO₂ steckt in Torf?

Eine häufig verwendete Faustzahl lautet: Torf besteht zu ungefähr 50 Prozent aus Kohlenstoff.

Der NABU gibt als Größenordnung etwa 50 Kilogramm CO₂ pro Kubikmeter Torf in seiner Hintergrundinformation an; diese Angabe ist allerdings methodisch nicht ohne Weiteres mit vollständigen Lebenszyklus- oder Inventardaten gleichzusetzen. Für eine belastbare Klimabilanz sollte deshalb zwischen Kohlenstoffgehalt, tatsächlicher Oxidation und Emissionen entlang des gesamten Lebenszyklus unterschieden werden. (NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.)

Noch wichtiger ist die Betrachtung der gesamten Torfabbaufläche.

Das Umweltbundesamt weist für Torfabbau und die Verwendung von Torf zu Gartenbauzwecken im deutschen Inventar für 2024 auf rund 1,8 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente an CO₂-Emissionen hin. (Umweltbundesamt)

Diese Zahl ist für eine realistische Einordnung deutlich hilfreicher als die einfache Multiplikation eines theoretischen Kohlenstoffgehalts mit dem gesamten Torfvolumen.

Warum die CO₂-Bilanz von Torf schwierig ist

Bei einer Klimabilanz muss zwischen mehreren Prozessen unterschieden werden:

  1. Entwässerung des Moores
  2. Abbau des Torfs
  3. Lagerung und Verarbeitung
  4. Transport
  5. Nutzung im Substrat
  6. weitere Zersetzung und Kohlenstofffreisetzung

Hinzu kommen mögliche Emissionen aus den Abbauflächen selbst.

Deshalb kann man nicht einfach sagen:

„1 Kubikmeter Torf = exakt X Kilogramm CO₂.“

Der tatsächliche Wert hängt unter anderem vom Ausgangsmaterial, Wasserhaushalt, Abbauverfahren, Nutzungszeitraum und Bilanzierungsansatz ab.

Für Verbraucher ist die Schlussfolgerung trotzdem einfach: Torf ist kein kurzfristig nachwachsender Rohstoff und seine Gewinnung steht in direktem Zusammenhang mit der Freisetzung von in Mooren gespeichertem Kohlenstoff. (BMEL)

Torf entsteht extrem langsam

Ein weiterer Punkt macht Torf besonders problematisch: Er lässt sich nicht innerhalb weniger Jahre ersetzen.

Intakte Moore können Torf bilden, aber der Prozess läuft extrem langsam.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium weist darauf hin, dass ungestörte Moore ungefähr einen Millimeter pro Jahr wachsen können. Entwässerte Moore verlieren dagegen teilweise 0,5 bis 5 Zentimeter Höhe pro Jahr. (BMEL)

Das Verhältnis ist enorm:

1 mm Torfwachstum pro Jahr

gegenüber teilweise

50 mm Höhenverlust pro Jahr

bei entwässerten Mooren.

Torf ist damit kein klassischer nachwachsender Rohstoff wie Holz, der innerhalb einer überschaubaren Generation wieder produziert werden kann.

Warum Moore mehr sind als Kohlenstoffspeicher

Der Schutz der Moore hat nicht nur mit Klimaschutz zu tun.

Intakte Moorlandschaften bieten Lebensräume für spezialisierte Pflanzen- und Tierarten.

Außerdem können nasse Moore Wasser speichern und zur Regulierung des Wasserhaushalts beitragen.

Das Bundesumweltministerium hebt deshalb neben dem Klimaschutz ausdrücklich auch die Bedeutung von Mooren für Biodiversität, Wasserrückhalt und das lokale Klima hervor. (BMU)

Die Zerstörung eines Moores bedeutet daher nicht nur den Verlust eines Kohlenstoffspeichers.

Es geht gleichzeitig um:

  • Lebensräume
  • Wasserhaushalt
  • Artenvielfalt
  • Landschaftsökologie
  • langfristige Kohlenstoffspeicherung

Deutschland importiert einen großen Teil seines Torfs

Der deutsche Gartenbau ist nicht ausschließlich auf heimische Torfvorkommen angewiesen.

Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums nimmt der Anteil des in Deutschland gewonnenen Torfs an der Versorgung ab. Ein erheblicher Teil des Bedarfs wird durch Importe gedeckt, insbesondere aus dem Baltikum. (BMEL)

Das ist für die Umweltbilanz wichtig.

Ein Produkt kann in Deutschland verkauft werden, obwohl die ökologischen Auswirkungen seiner Rohstoffgewinnung in einem anderen Land stattfinden.

Die deutsche Statistik zum Torfverbrauch darf daher nicht mit der gesamten Fläche der Moore gleichgesetzt werden, die durch den deutschen Gartenbau indirekt beeinflusst wird.

Welche Alternativen gibt es?

Inzwischen stehen zahlreiche Torfersatzstoffe zur Verfügung.

Zu den wichtigsten gehören:

  • Grüngutkompost
  • Holzfasern
  • Rindenhumus
  • Kokosprodukte
  • Holzkompost
  • mineralische Zuschlagstoffe
  • weitere organische Ausgangsstoffe

Das BMEL nennt insbesondere Grüngutkompost, Holzfasern und Kokosprodukte als wichtige Alternativen. (BMEL)

Nach Angaben des Ministeriums reichen die verfügbaren Torfersatzstoffe mengenmäßig grundsätzlich aus, um Torf im deutschen Gartenbau vollständig zu ersetzen. Die Herausforderung besteht vor allem darin, für unterschiedliche Kulturen die richtigen Mischungen und Bewirtschaftungsverfahren zu entwickeln. (BMEL)

Kompost ist einer der wichtigsten Torfersatzstoffe

Kompost hat gegenüber Torf einen entscheidenden Vorteil: Er basiert auf organischen Reststoffen und ist Teil eines Stoffkreislaufs.

In deutschen Substraten wird bereits eine beträchtliche Menge Grünkompost eingesetzt.

Das BMEL nennt für 2023 rund 1,53 Millionen Kubikmeter Grünkompost als Ausgangsstoff für Substrate. Hinzu kamen etwa:

  • 887.000 m³ Holzfaser/Holz
  • 270.000 m³ Rindenhumus
  • 130.000 m³ Kokosprodukte
  • 112.000 m³ sonstige organische Ausgangsstoffe
  • 191.000 m³ mineralische Ausgangsstoffe. (BMEL)

Damit ist die Substratindustrie bereits deutlich diversifizierter als noch vor einigen Jahren.

Aber auch Torfersatzstoffe haben eine Ökobilanz

„Torffrei“ bedeutet nicht automatisch „klimaneutral“.

Auch Alternativen können Umweltwirkungen verursachen.

Holzfasern

Holzfasern können aus regionalen Rohstoffen hergestellt werden und sind deshalb interessant. Gleichzeitig müssen Herkunft, Verarbeitung und Nutzung der Holzressourcen betrachtet werden.

Kokosprodukte

Kokosfasern können ein sinnvoller Bestandteil von Substraten sein. Allerdings entstehen durch die internationale Beschaffung zusätzliche Transport- und Verarbeitungsaufwendungen.

Kompost

Kompost ist regional häufig besonders attraktiv. Allerdings müssen Salzgehalt, Reifegrad, Nährstoffgehalte und Struktur zum jeweiligen Substrat passen.

Die beste Lösung ist deshalb nicht zwangsläufig ein einziger Ersatzstoff, sondern eine an die Kultur angepasste Kombination.

Warum torffreie Erde anders gegossen werden muss

Torf besitzt hervorragende physikalische Eigenschaften.

Ein Wechsel auf torffreie Substrate kann deshalb eine Anpassung der Bewässerung notwendig machen.

Das BMEL weist darauf hin, dass torffreie Erde Wasser teilweise schlechter speichert als Torf, insbesondere wenn kein Kokosmark enthalten ist. (BMEL)

Wer von Torferde auf torffreie Erde umsteigt, sollte deshalb nicht einfach das bisherige Gießschema unverändert übernehmen.

Entscheidend sind:

  • Substratzusammensetzung
  • Pflanzenart
  • Topfgröße
  • Temperatur
  • Sonneneinstrahlung
  • Luftfeuchtigkeit
  • Entwicklungsstadium

Torffrei ist 2026 das Ziel für Hobbygärtner

Die nationale Torfminderungsstrategie sieht einen weitgehenden Verzicht auf Torf im Freizeitgartenbau bis 2026 vor.

Im Erwerbsgartenbau soll der Torfanteil bis 2030 weitgehend reduziert werden. (BMEL)

Damit ist 2026 ein wichtiges Zwischenziel.

Die aktuellen Zahlen zeigen allerdings, dass die Umstellung noch nicht abgeschlossen ist.

2024 enthielten weiterhin 77 Prozent der abgesetzten Blumenerden Torf – allerdings mit einem deutlich niedrigeren durchschnittlichen Torfanteil von 38 Prozent. (Statistisches Bundesamt)

Das zeigt: Der Markt bewegt sich in Richtung Torfreduktion, aber der vollständige Ausstieg ist noch nicht erreicht.

Was bedeutet das für Hobbygärtner?

Für Privatpersonen ist der Umstieg vergleichsweise einfach.

Beim Kauf von Blumenerde sollte man auf Begriffe wie:

„torffrei“

oder

„ohne Torf“

achten.

Dabei sollte man nicht ausschließlich auf Werbeaussagen achten, sondern die Zusammensetzung auf der Verpackung prüfen.

„Torfreduziert“ bedeutet ausdrücklich nicht torffrei.

Eine Erde mit beispielsweise 30 Prozent Torf ist zwar deutlich besser als ein Substrat mit 80 Prozent Torf, trägt aber weiterhin zum Torfverbrauch bei.

Torffrei ist nicht dasselbe wie torfreduziert

Die Begriffe sollten sauber unterschieden werden:

Bezeichnung Bedeutung
Torfhaltig Enthält Torf
Torfreduziert Enthält weniger Torf als eine herkömmliche Vergleichserde
Torfarm Enthält einen kleinen Torfanteil
Torffrei Kein Torf enthalten
Moorverträglich Kein eindeutiger Ersatz für „torffrei“

Für einen tatsächlichen Verzicht ist ausschließlich torffrei relevant.

Was bringt eine einzige torffreie Packung?

Das lässt sich nicht mit einer universellen CO₂-Zahl beantworten.

Der Grund: Blumenerden unterscheiden sich erheblich in ihrer Zusammensetzung und in der Herkunft ihrer Rohstoffe.

Trotzdem ist der Effekt systemisch interessant.

Wenn beispielsweise 100.000 Hobbygärtner jeweils einen 40-Liter-Sack torffreie Erde statt einer vergleichbaren torfhaltigen Erde kaufen, werden:

100.000 × 40 Liter = 4.000.000 Liter

Substrat ohne Torf verwendet.

Das entspricht:

4.000 m³ Substrat.

Bei Millionen von Gärtnern können solche Mengen den Markt entsprechend verändern.

Der größere Hebel liegt beim professionellen Gartenbau

Noch größer ist das Potenzial im Erwerbsgartenbau.

Hier werden Substrate in Millionen Kubikmetern eingesetzt.

2024 wurden insgesamt etwa 2,6 Millionen m³ Kultursubstrate abgesetzt. Rund 1,4 Millionen m³ davon bestanden aus Torf. (Statistisches Bundesamt)

Eine Reduktion des Torfanteils um nur zehn Prozentpunkte entspricht bei einem solchen Volumen rechnerisch ungefähr:

260.000 m³ weniger Torf.

Das verdeutlicht, weshalb die Umstellung professioneller Produktionssysteme für die Torfminderungsstrategie besonders relevant ist.

Moorbodenschutz ist eine der großen Klimaschutzaufgaben

Die aktuellen Zahlen für 2026 zeigen, dass Moorschutz eine deutlich größere Dimension besitzt als die Frage nach Blumenerde.

Deutschland verfügt über rund 1,8 Millionen Hektar Moorböden, mehr als 90 Prozent davon sind entwässert. Aus entwässerten Moorböden entstehen jährlich rund 54 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. (BMU)

Das bedeutet:

Etwa fünf Prozent der Landfläche verursachen rund acht Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen.

Das macht Moore zu einem ungewöhnlich emissionsintensiven Landnutzungssystem.

Wiedervernässung als Klimaschutzmaßnahme

Der wichtigste langfristige Ansatz besteht deshalb darin, entwässerte Moore wieder nass zu machen.

Denn durch steigende Wasserstände wird die Zersetzung des Torfkörpers unter Sauerstoffmangel deutlich reduziert.

Bund und Länder haben sich das Ziel gesetzt, die Emissionen aus Moorböden bis 2030 um jährlich fünf Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente zu reduzieren. (BMEL)

Der Gartenbau kann diese Entwicklung unterstützen, indem die Nachfrage nach neu abgebautem Torf sinkt.

Die wichtigsten Torf-Statistiken 2026 zusammengefasst

1,8 Millionen Hektar:
So groß ist die Fläche der Moorböden in Deutschland. (BMU)

Mehr als 90 Prozent:
So hoch ist der Anteil der entwässerten Moorböden. (BMU)

52,2 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente:
So hoch waren die Treibhausgasemissionen aus Moorböden 2024 laut Umweltbundesamt. (Umweltbundesamt)

8 Prozent:
Ungefähr dieser Anteil entfiel 2024 auf Moorböden an den deutschen Gesamtemissionen. (Umweltbundesamt)

1,4 Millionen m³:
So viel Torf wurde 2024 in Blumenerden für Hobbygärten eingesetzt. (Statistisches Bundesamt)

18,4 Prozent weniger:
So stark sank diese Torfmenge gegenüber 2023. (Statistisches Bundesamt)

1,4 Millionen m³:
So viel Torf enthielten 2024 die abgesetzten gewerblichen Kultursubstrate. (Statistisches Bundesamt)

5,4 Prozent weniger:
So stark ging diese Menge gegenüber 2023 zurück. (Statistisches Bundesamt)

2026:
Zieljahr für den weitgehenden Torfverzicht im Freizeitgartenbau. (BMEL)

2030:
Zielhorizont für eine weitgehende Torfreduktion im Erwerbsgartenbau. (BMEL)

Fazit: Weniger Torf ist ein konkreter Beitrag zum Moorschutz

Die Torfstatistik 2026 zeigt eine klare Entwicklung: Der Torfanteil in deutschen Blumenerden und Kultursubstraten sinkt. Besonders deutlich war der Rückgang 2024 bei den Produkten für Hobbygärtner. Gleichzeitig wurden aber noch rund 2,8 Millionen Kubikmeter Torf allein in Blumenerden und gewerblichen Kultursubstraten eingesetzt. (Statistisches Bundesamt)

Der ökologische Hintergrund ist gravierend. Mehr als 90 Prozent der deutschen Moorböden sind entwässert, und Moorböden verursachen jährlich mehr als 50 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. (BMU)

Torf im Gartenbau ist zwar nur ein Teil des gesamten Moorproblems. Trotzdem ist der Verzicht vergleichsweise einfach: Für Hobbygärtner stehen inzwischen ausreichend torffreie Alternativen zur Verfügung.

Die wichtigste Zahl für den einzelnen Garten lautet deshalb nicht unbedingt „Wie viel CO₂ verursacht mein Sack Blumenerde?“, sondern:

Wie viel Torf kann ich vermeiden?

Wer 2026 konsequent zu torffreier Erde greift, unterstützt damit die Entwicklung eines Marktes, der weniger auf die Nutzung eines über Jahrtausende entstandenen Kohlenstoffspeichers angewiesen ist.

Quellen und weiterführende Informationen

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